Abenteuerspielplätze allgemein

Zur pädagogischen und strukturellen Kozeption von ganzjährig nutzbaren Abenteuerspielplätzen und Kinderbauernhöfen hier eine Zusammenfassung des Beitrages "Abenteuerspielplätze" von Rainer Deimel aus dem "Handbuch Offene Kinder- und Jugendarbeit":

 


„Zutaten“ für eine ganzjährige Einrichtung:

Grundvoraussetzung für einen Abenteuerspielplatz ist ein ausreichend großes Gelände. In früheren Dokumenten wurde regelmäßig ein Grundstück in der Größe von 3.000 bis 10.000 qm empfohlen. In der Praxis gibt es hiervon logischerweise Abweichungen. Gleichwohl entsprechen die meisten Plätze nach wie vor den genannten Größenordnungen. Zum Vergleich: Die kleinsten Spielplätze arbeiten auf einem Grundstück von etwa 1.500 qm. Es gibt ebenso Plätze mit einem Ausmaß von fast 20.000 qm. Hieraus auf die Qualität zu schließen, ist unangebracht. Es liegt allerdings auf der Hand, dass ein Platz umso mehr Angebote und Bereiche integrieren kann, je mehr Fläche vorhanden ist. Auch hinsichtlich der geographischen Lage sind eklatante Unterschiede zu verzeichnen. Manche Plätze befinden sich in geradezu idyllischer Lage. relativ wohnungsnah und doch in sich geschützt, andere sind mitten in Wohngebiete integriert, und wieder andere liegen fernab der Wohnbebauung. Auffallend ist ferner, dass sich Plätze auf Grundstücken befinden, die für andere Nutzungen einigermaßen ungeeignet sind, etwa eingekeilt von Autobahn- und Eisenbahntrassen.

Sieht man einmal aufgrund der unüberhörbaren Belästigungen von letztgenannten ab, hat jede Art und Form eines Geländes ihre spezifischen Vor- und Nachteile. Beispielhaft seien hier genannt: soziale Kontrolle durch die Nachbarschaft, Wohnungsnähe, Ausflugscharakter inkl. Naturverbundenheit, Stadtteilintegration. An dieser Stelle wird deutlich, dass bei der Zielsetzung derartige Kriterien planerisch zu berücksichtigen sind, sofern es hierzu überhaupt eine Chance gibt, Entsprechend der Lage gestaltet sich auch ihre Wirkung. Ein Platz, der inmitten eines Wohngebiets bzw. zentral im Stadtteil liegt, ist für gewöhnlich in die soziale Infrastruktur eingebunden und hat an dieser exponierten Stelle auch derartige Aktionsmöglichkeiten, die Strukturen, Personal und Träger qualitativ wie quantitativ zulassen. Bei einem Platz an der Peripherie oder außerhalb jeder Ortsnähe besteht aufgrund einer solchen Lage erhöhter Bedarf, seine Wirkung zu reflektieren und dies entsprechend in der Öffentlichkeits- und Konzeptarbeit zu berücksichtigen. Für die Zielgruppe zeitigt jede Lage ihre adäquate, gewinnbringende Möglichkeit.

Hinsichtlich ihrer (Binnen-)Raumstruktur kann davon ausgegangen werden, dass die existierenden Plätze sich gleichen und doch alle ihr eigenes Profil tragen, Grundvoraussetzung für einen Abenteuerspielplatz ist neben einem ausreichend großen Gelände ein Gebäude, das sowohl ganzjährige Präsenz zu garantieren vermag als auch Gelegenheiten zum Rückzug bietet und für Projekte und andere spezielle Aktivitäten, zu denen man ein Haus benötigt, geeignet ist.

Ein Spielplatzhaus sollte nicht kleiner als 200 qm sein. In der Praxis bewährt haben sich auch Fabrik- oder andere Hallen für groß angelegte Aktivitäten. Im Spielplatzhaus befinden sich neben den sanitären Anlagen und einer Planungs- und Verwaltungseinheit (Büro) diverse — nach Möglichkeit multifunktionale — Räumlichkeiten, z.B. Küche, Gruppen- und Werkräume (Holz, Metall, Fahrräder, Fotolabor usw.). Tobeecken, Theaterbühne bzw. variable Bühnenelemente. Im Falle von Tierhaltung gehören Stallungen dazu, die eine artgerechte Haltung gewährleisten.

Jeder Abenteuerspielplatz und jeder Kinderbauernhof benötigen ausreichend witterungsunabhängigen Lagerraum um bedürfnis- und bedarfsgerecht Materialien für alle möglichen Aktivitäten vorhalten zu können. Lagerhaltung erfordert nicht nur Weitblick, sondern auch ein kreatives Verständnis. Ein zeitgemäßer Platz lagert beispielsweise auch Teile seines Brennholzes trocken, um Immissionen beim Verbrennen von Material (= Holz) möglichst gering zu halten. Dieses Beispiel soll gleichermaßen die ökologische Vorbildfunktion, die eine solche Einrichtung in bezug auf die Besucherinnen einnimmt, verdeutlichen.

Zu den „Standard-Bereichen/-Räumen“ gehören ferner ein möglichst großer Hüttenbaubereich, eine oder mehrere Feuerstellen, Sportfelder, Wasserbereiche, Sandbereiche sowie die Kombination aus beidem, Wasser und Sand (= Matsch). Je nach Konzept und Schwerpunkten wird die Raumstruktur ergänzt. Derartige Ergänzungen können sein: Biotope verschiedener Art, Gärten, Weiden und Wiesen bei Tierhaltung, Theaterbühne, begeh- und bespielbare Skulpturen und Dächer, Kletterwände. Kindlichen Bedürfnissen entsprechend haben sich künstlich oder natürlich modellierte Grundstücke als äußerst attraktiv erwiesen.

Die Wirkung eines Abenteuerspielplatzes oder eines Kinderbauernhofes wird am ehesten bei einem Besuch einer solchen Einrichtung nachvollziehbar. Hier finden die Kinder eine Art Reservat vor, einen Schutz- und Schonraum und gleichzeitig einen Toberaum; ein solches Reservat benötigen sie für eine positive Sozialisation ohnehin. Leider muss konstatiert werden, dass es hinsichtlich einer flächendeckenden Versorgung gegenwärtig noch regelmäßig große Mängel gibt, zumal Abenteuerspielplätze und Kinderbauernhöfe in der Regel wichtige soziokulturelle Anlaufpunkte sind.





Das pädagogische Team:

Regelmäßig unbefriedigend war und ist die politische Absicherung bei derartigen kleinen Trägervereinen, die bisher keine vertragliche Absicherung ihrer Subventionen beim Träger der öffentlichen Jugendhilfe erreichen konnten. Es ist zu beobachten, dass in solchen Fällen nicht zu unterschätzende Potentiale an menschlicher Leistung und Materialien auf mitunter unverantwortliche Weise verschlissen werden. Dies geschieht zum Teil mit dem Hinweis auf den nach wie vor bedingt tragfähigen Idealismus engagierter Menschen, zum Teil auch in der - womöglich unberechtigten — Hoffnung auf Besserung (= Absicherung und entsprechende Honorierung fachlich fundierten Engagements). Kritisch hierzu angemerkt, übersehen bzw. ignorieren Politikerlnnen in derartigen Situationen, dass es letztlich um eine bedarfsgerechte Antwort auf Bedürfnisse derjenigen geht, für die sie sich oftmals in ihren Sonntagsreden weit aus dem Fenster lehnen, nämlich um die Bedürfnisse der Kinder.

Auf den Plätzen selbst gilt selbstverständlich, dass die Arbeit um so erfolgreicher zu bewerten ist, je reger, phantasiefreudiger und planungsfähiger die einzelnen Teammitglieder sind. Diese These unterstellt, dass eine Einrichtung in struktureller Hinsicht nicht permanent um ihr Überleben kämpfen muss. Regelmäßig sind Sozialpädagoglnnen und ErzieherInnen auf den Plätzen eingesetzt, zeitweise verstärkt durch die Sach- und Fachkompetenz unterschiedlicher anderer Personen. Dies können z.B. KünstlerInnen, Tierexpertlnnen oder Handwerkerlnnen sein.

Die Aufgabenpalette für ein Team ist in allen Fällen sehr groß. Es ist festzustellen. dass sich zahlreiche Praktikerlnnen im Laufe ihrer Tätigkeit zu Expertlnnen für mannigfaltige Obliegenheiten entwickelt haben, vom Spielen über Kultur, handwerkliches Können, Tierhaltung und -zucht u.s.w. Allen gemeinsam ist die Rolle als — zeitweilig wichtigste — Bezugsperson für die Kinder, die regelmäßig die Plätze aufsuchen. Sie bieten Schutz und Geborgenheit, geben Vertrauen, bestärken die Kinder in ihren Fähigkeiten und Fertigkeiten und bieten sich gleichfalls als Erwachsene außerhalb des Elternhauses und der Schule als „Projektionsfläche“ und „Konfliktpartnerln“ an, als eine Persönlichkeit, an der man sich reiben und mit der man erleben kann, wie man allmählich erwachsen wird. Auch die Funktion als regelmäßig breit akzeptierte soziokulturelle Anlaufstelle im Stadtteil verdient eine gesonderte Erwähnung.





Alters- und Zielgruppen der Einrichtungen:

Aus Letztgenanntem lassen sich Rückschlüsse auf die Zielgruppen der Abenteuerspielplätze und Kinderbauernhöfe ziehen; dass diese sich Kindern im Schulalter ganzjährig zur Verfügung stellen, liegt in ihrer ureigensten Natur. In seltenen Fällen nehmen Plätze gegenwärtig lupenreine Altersabgrenzungen vor, und so wird erlebt, dass es zeitweise auch Vorschulkinder sind, die die Plätze aufsuchen und sich dort spielend betätigen. Diese besuchen die Einrichtungen zumeist „im Schlepptau“ älterer Geschwister oder kommen mit ihren Müttern, selten mit ihren Vätern. Wenn die strukturellen Vorgaben stimmig sind, ist diese Zielgruppe von den Plätzen auch verkraftbar, sehen diese darüber hinaus auch eine gute Gelegenheit, selbständigen „Nachwuchs“ zu gewinnen.

Auch nach oben hin ist die Altersgrenze meist nicht starr; vielfach auch gar nicht einhaltbar, da der Abnabelungsprozess von einer geliebten Einrichtung zahlreichen jungen Menschen sehr schwer fällt. Einige Einrichtungen machen aus dieser „Not“ gar eine Tugend. So ist bekannt geworden, dass ein Bielefelder Abenteuerspielplatz nach der täglichen Schließungszeit das Spielplatzhaus Jugendlichen, die früher als Kinder zu den Stammbesuchern des Platzes zählten, als Treffpunkt zur Verfügung stellt. Dieses Verfahren ist über einen Kontrakt mit den Betreffenden geregelt; sie haben quasi Schlüsselgewalt. Als willkommener Nebeneffekt konnten abendliche Zerstörungen drastisch vermieden werden, da über einen Identifikations-Effekt die Jugendlichen gleichermaßen darüber wachen, dass Übergriffe während ihrer Anwesenheit nicht mehr stattfinden.





Zielsetzungen der Einrichtungen:

Die typischen Ziele von Abenteuerspielplätzen und Kinderbauernhöfen lassen sich folgendermaßen skizzieren: Die Plätze bieten ein hervorragendes Übungsfeld der Emanzipation; dies in bezug auf die Geschlechter, auf ethnologische Abstammung sowie soziale Herkunft. Da es auf den Plätzen nicht um Leistungszwänge, sondern um vielfältige kognitive, motorische, soziale, kreative u.a. Erfahrungsgelegenheiten geht, wirken sie — im Gegensatz zu vielen anderen Einrichtungen — außerordentlich integrativ, ohne dass dabei Unterschiede geleugnet werden sollen. Vielmehr sind Letztgenannte in ihrer Vielfalt gewollt und tragen zur Qualität gerade dieses Konzepts bei. Sie fördern das Vertrauen in sich selbst und andere durch Gruppenerlebnisse, Selbst- und Grenzerfahrungen. Abenteuerspielplätze und Kinderbauernhöfe bieten mannigfaltige Felder der Kreativität und fördern die soziale, körperliche und geistige Entfaltung. Sie tragen entscheidend zum Aggressionsabbau bei, einem Erfordernis, dem in einer offensichtlich gewaltbereiten Lebenswelt ausreichend Platz eingeräumt werden muss.

Der Einrichtungstypus Abenteuerspielplatz und/oder Kinderbauernhof leistet in seiner Zielsetzung bei seiner Klientel einen nicht unerheblichen Anteil an Bildungsarbeit. Eine besondere Chance und einen entsprechenden Erfolg vor allem dieser Form von Bildungsarbeit bietet der permanente Transfer-Effekt, den dieser Ansatz beinhaltet. Ein Beispiel hierfür ist die kindgemäße Auseinandersetzung mit ökologischen Inhalten. Die Praxis liefert hierfür und für andere Komplexe umfangreiche Dokumente.

Die Aktivitäten, Inhalte und Methoden der Abenteuerspielplätze und Kinderbauernhöfe ergeben sich regulär in erster Linie aus den angebotenen Bereichen und Räumen, wie sie oben beschrieben wurden. Sie orientieren sich seit jeher an den Prinzipien „Ganzheitlichkeit“ und „Offenheit“. Die im Lebensalltag oftmals voneinander abgetrennten Bereiche Arbeit und Freizeit, Spiel und Lernen werden auf Abenteuerspielplätzen und Kinderbauernhöfen integriert. Entfaltungsmöglichkeiten und Angebote in den Einrichtungen korrespondieren in aller Regel mit der Bedürfnislage der BesucherInnen, ihren Interessen und Fähigkeiten. Wesentlich in diesem Zusammenhang sind Spaß und Freude, Entspannung. Muße und Besinnung sowie der kreative Materialumgang und mannigfaltige Bewegungsmöglichkeiten. Hierbei werden grob- und feinmotorische Bedürfnisse und Fähigkeiten ebenso berücksichtigt, wie Erfolge und Grenzen sowie Grenzerweiterungen erfahrbar werden. Kinder wachsen durch Selbstbestätigung und soziale „Aha“ - Erlebnisse. Sie erfahren und erlernen Solidarität und erwerben humane Strategien der Konfliktbewältigung. Sie erhalten vielfältige Gelegenheiten, Verantwortung und Verantwortungsgefühl zu entwickeln; dies im Umgang und in der Auseinandersetzung mit anderen Menschen, mit Tieren, Pflanzen und Materialien.

vgl.: "Handbuch Offene Kinder- und Jugendarbeit" (Hrsg.: Ulrich Deinet, Benedikt Sturzenhecker), Juni 2005

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